Nein, nicht von Mumbai. Von uns.

Angekommen in Mumbai haben wir nun angefangen das, was irgendwann mal Alltag werden soll, zu organisieren. Der Tag gestern begann also mit einem Besuch beim FRRO, dem Foreign Regional Registration Office. Jeder, der länger als 180 Tage in Indien bleiben möchte, muss dort innerhalb der ersten 14 Tage aufschlagen und sich registrieren. So also auch wir.

Geöffnet wird dort um 9.30 Uhr, um einen guten Platz in der Schlange zu ergattern, bat uns der von Volkswagen beauftragte Agent, nennen wir ihn Mr. S., aber bereits um 9.00 Uhr dort zu sein. Leider leichter gesagt als getan: Unser derzeitiger Fahrer, Mr. Ajit von der Autovermietung, kannte die Behörde nicht, tat sein Bestes, sich durchzufragen (per Telefon bei Mr. S., aus dem fahrenden Auto bei einem seiner Fahrerkollegen, mitten auf einer Kreuzung bei einem Polizisten, bei den Wachleuten vor dem Büro des Polizeipräsidenten und schließlich wieder bei Mr. S.), musste schlussendlich aber vor Süd-Mumbais Straßennetz kapitulieren und bat uns, auf Mr. S. zu warten, der ganz in der Nähe sei und uns abholen würde. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten: Das FRRO lag am Ende der Straße in der wir warteten, keine 100 Meter von uns entfernt.

Um 9.15 Uhr endlich angekommen, hatte sich bereits eine erkleckliche Anzahl Wartender gesammelt: Eine dreiköpfige chinesische Familie, ein Koreaner – zu erkennen an der dezent wahrnehmbaren Knoblauchfahne, drei Personen vermutlich afrikanischer Herkunft und, an zweiter Position, ein Inder. Moment, ein Inder? Des Rätsels Lösung: Mr. S. hatte auf die Verspätung damit reagiert, dass er seinen Mitarbeiter an unserer Stelle in die Schlange gesetzt hatte, lotste uns – kaum dass sich der Tross in Bewegung gesetzt hatte – an der Meute vorbei und beschied etwaiges Grummeln der anderen Wartenden mit “My boy was in queue!”

In das eigentliche Registrierungsbüro durfte Mr. S. dann nicht mehr mit hinein, übergab uns folglich die beiden Ordner mit den sorgsam präparierten Kopien aller Unterlagen und überließ uns unserem Schicksal. Mr. S. haben wir dann übrigens auch nicht mehr wiedergesehen, er überließ das Warten auf uns wiederum – na wem? – seinem “Boy”. Den Registrierungsprozess wiederzugeben spare ich mir an dieser Stelle, da er im wesentlichen das Ausfüllen eines Formulars mit all den Angaben, die wir bereits zur Erlangung des Visums machen mussten, das Übertragen der selben per Hand vom Formular in bereitliegende Bücher sowie die Durchsicht der von Mr. S. überbrachten Unterlagen, ebenfalls weitgehend die gleichen wie für die Visa, umfasste. Frederiks Zusammenfassung: “Das Haus, das Verrückte macht!”

Zurück zur Überschrift: Fotos. Erster Step im FRRO: Fotos von uns machen lassen. Dazu postierte uns der dafür verantwortliche Beamte vor einer Webcam (für diejenigen, von Euch, die diese Erfahrung bereits machen durften: in etwa so eine Webcam wie für die Ausweise und Jahreskarten in der Autostadt, entsprechend sehen wir auf den Fotos jetzt auch aus!), ermahnte uns, die Brillen abzusetzen (sehr authentisch, nachdem es von mir seit ca. 30 Jahren kein Foto mehr ohne gab) und gerade in die Kamera zu schauen. Die so ursprünglich im Querformat erzeugten Aufnahmen prangen jetzt, auf quadratisch gestaucht, auf unserem Registrierungsbeleg. Besser als alle Diäten: So dünn war ich noch nie! Weitere zwei Bilder (mitgebracht) durften wir dann noch den Registrierungsunterlagen beifügen. Wofür auch immer.

Weiter ging es dann zum Vodafone Shop in Bandra West, um mich als vollwertiges Mitglied der indischen Mobilfunkgesellschaft zu etablieren. Die Idee hatten außer uns noch ca. 30 weitere Menschen zur selben Zeit, so dass unsere Wartenummer 82, zu einem Zeitpunkt, als gerade Token No. 55 aufgerufen wurde, erstmal nichts Gutes hoffen ließ. Wie wir dann feststellen durften, werden die anwesenden Kunden aber nicht zwangsläufig in der Reihenfolge ihres Erscheinens aufgerufen, sondern von den Mitarbeitern nach “Purpose of visit” sortiert, so dass wir an der Reihe waren, sobald alle potenziellen Neukunden in der Schlange vor uns bedient waren. Es folgten: 20 Minuten Wartezeit, ein sehr informatives Gespräch mit der Vodafone-Mitarbeiterin, die nur etwa ein Drittel jedes der insgesamt fünf notwendigen Formulare ausfüllte, das Aufkleben eines weiteren Fotos, ein Telefonat seitens Frederik mit einem seiner Kollegen, ob wir dessen Telefonnummer dort nennen dürften, damit dieser telefonisch unsere Adresse bestätigt, fünf Unterschriften “similar to the one in your passport”, ein nettes Gespräch mit einer in Kalifornien lebenden Inderin in der Schlange an der Kasse, die Bezahlung der fälligen Gebühren und – heute früh – das Freischalten der SIM-Karte. Indien, Du überraschst uns – das war deutlich einfacher als wir dachten!

Zurück ins Hotel, wo ein Termin mit den Leuten von der Bank auf uns wartete, die uns über die Möglichkeiten der Kontoeröffnung in Indien informieren sollten. Die für uns passende Lösung war schnell gefunden, alle Formulare hatten die beiden praktischerweise gleich mitgebracht und füllten diese dann gemeinsam mit Frederik aus während ich 1. zurück ins Zimmer gewandert bin, um Pässe und FRRO-Registrierungsbestätigung zu holen, mich 2. damit auf Wanderschaft in die entgegengesetzte Ecke des Hotels begeben habe, um die Dokumente zu kopieren und 3. erneut ins Zimmer musste, um was zu holen? Richtig – noch mehr Fotos.

Was lernen wir daraus?
Hab immer genügend Passfotos parat und zwar je nach Anlass in “Normalgröße”, “stamp size” oder auch quadratisch!

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